Nach Adams Rauswurf aus dem Paradies vertreibt sich Eva die Zeit mit Feigen Futtern und sich von der Schlange den Rücken kraulen lassen.
Schlange: “Ich wünschte, Adam wäre hier. Der könnte uns was zu fressen besorgen.”
Eva: “Jaja, darin war er ganz gut.”
Schlange: “Fehlt er dir nicht?”
Eva: “Wüsste nicht, wofür.”
Schlange: “Du wirkst ganz schön gelangweilt, seit der weg ist.”
Eva: “Ach, das war ich auch schon vorher.”
Schlange: “Ich dachte immer, du wärst ganz zufrieden.”
Eva: “War ich ja auch. Dachte ich jedenfalls. Aber jetzt ist das alles irgendwie anders.”
Schlange: “Bist du etwa froh, dass er weg ist?”
Eva: “Ich weiß nicht. Irgendwie nicht… Aber eigentlich…”
Aus dem Nichts erscheint ER und unterbricht
die beiden
ER: “He ihr. Was soll der Trübsinn? Ihr seid im Paradies. Freut euch.”
Schlange: “Hallo, oh Herr. Ich freue mich über das Paradies. Wirklich. Und es gibt niemanden, der mit rechtem Gewissen das Gegenteil behaupten könnte.”
ER: “Und wie ist’s mit dir, Eva? Bist du nicht gut gelaunt, hier bei mir und der Schlange?”
Eva: “Doch, doch, alles in Ordnung. Kein Problem.”
ER: “Ok dann… ! Eva! Sei entzückt, denn dies hier ist für dich!”
ER überreicht ihr ein paar frisch geschnittene Rosen, Schokolade und ein Fläschchen Wein.
Eva: “Hä? Was ist das?”
ER: “Das sind Blumen. Und was Süßes. Und Wein. Alles für dich, meine liebste.”
Schlange (flüsternd zu Eva): “Ich glaub, der findet dich nett.”
Eva (leicht verlegen zu IHM): “Oh… danke.”
ER: “Ok. Das wäre geschafft. Jetzt steh auf und komm mit. Wir gehen aus.”
Eva: „Wohin gehen wir denn?”
ER: „Ich würde sagen, erstmal darüber. Zu dem Strauch, den ich erschaffen hab. Und dann noch ein Stück weiter hinten, zu dem Fluss, den ich auch erschaffen hab. Und dann können wir ja mal schauen, was ich noch erschaffen könnte.”
Eva steht auf und streift sich die Blätter vom nackten Leib
ER: “Wow. Du bist die schönste Frau, die ich je erschaffen hab.”
Eva: “Dankeschön.”
Die beiden ziehen von dannen. Derweil macht es sich die Schlange auf einem Baum gemütlich. Hinter einer Mauer aus wucherndem Gestrüpp, auch Hecke genannt, erkennt sie den völlig verwahrlosten Adam heran nahen.
Schlange: “Hey Adam. Wie geht’s dir so?”
Adam: “Ganz gut. Naja, es geht. Eigentlich hab ich ganz schön viel zu tun. Meine Hände hören gar nicht mehr auf zu bluten und ich bin nur noch Müde und geschafft. Morgen muss ich wieder aufs Feld, um fünf Uhr in der früh. Außerdem hab ich Zahnschmerzen, seitdem ich versucht habe, Steine zu essen. Wenn ich ehrlich bin, geht’s mir ziemlich beschissen. Meine Füße stinken und meine Haut ist ausgetrocknet. Und ich hab mindestens schon acht Mal gekotzt, weil ich dauernd vergesse, dass die Beeren von dem Strauch da drüben nicht genießbar sind. Ich wünschte, ich hätte mir ein paar Früchte vom Baum der Erkenntnis mitgenommen. Mein Gott, waren die köstlich… Und was ist bei euch so los?”
Schlange: “Och, eigentlich nicht viel. Ich hab mich wieder mal gehäutet.”
Adam: “Ach, war es wieder mal so weit?”
Schlange: “Jaja, die gute alte Haut abstoßen. Schlischlaschlüpf, und schon bin ich wieder wie neu.”
Adam: “Das freut mich für dich. Und wie ist das Wetter bei euch da drüben?”
Schlange: “Tja, das Wetter… Das Wetter ist ganz gut. Und bei dir?”
Adam: “Was soll schon sein, Regen. Tag ein Tag aus. Wenn kein Regen da ist, ist es Windig. Ganz kalter Wind weht einem hier um die Nase. Und dann wieder Regen. Manchmal auch Hagel.”
Schlange: “Jaja, schlimmschlimm.”
Betretnes schweigen beiderseits.
Adam (holt tief Luft): “Und wo ist Eva?”
Schlagen: “Wer?”
Adam: “Eva! Der andere Mensch außer mir auf dieser Erde.”
Schlange: “Hast du da draußen etwa noch keine Freunde gefunden?”
Adam: “Ich hab hier überhaupt niemanden gefunden. Also wie geht’s ihr? Wo ist sie?”
Schlange: “Eva ist… also Eva ist aus.”
Adam: “Wie, aus?”
Schlange: “Die ist weg gegangen. Ich weiß nicht, wann sie wieder kommt.”
Adam: “Wo wollte sie denn ganz allein hin?”
Schlange: “Sie war ja nicht allein… ER war bei ihr.”
Adam: “Aha… Soll sie ‘was für ihn machen?”
Schlange: “Könnte ich mir schon vorstellen. Die Blumen jedenfalls und der Wein haben sie ganz schön beeindruckt.”
Adam: “Was ist Wein?”
Schlange: “Keine Ahnung. Was zu trinken, glaube ich. Kann ja mal nachsehen… Oh… Geht nicht, den Wein haben sie mitgenommen. Hier liegen nur noch die Rosen und die Schokolade.”
Adam: “Also hat er war gemacht, was er zu mir gesagt hat. Dieser verdammte Mistkerl. Ich sag dir was, Schlange. Der nutzt sie nur aus.”
Plötzlich bricht an der Stelle, genau vor Adam, die Hecke auf und ER kommt zum Vorschein
Adam: “Was zum Henker… “
Schlange: “Oh nein… “
ER: “Nenn du mich nicht Mistkerl, Adam! Ich bin der Herr, dein Gott. Und ich hab’s satt, dass ich das dauernd wiederholen muss. Irgendwann schreib ich auf ein paar Steintafeln, was ich von euch Menschen erwarte. Und falls du’s dann wieder vergisst, wird dich das Gestein wieder auf die richtigen Gedanken bringen, wenn ich es an deinem Schädel zerschmettere.”
Adam: “Ha, Versuchs mal. Wo ist Eva? Was hast du mit ihr gemacht?”
ER: “Ich habe getan, wozu du nie fähig wahrst, Adam. Und das ganz ohne den Baum der Erkenntnis. Ich kann sie haben, wann immer ich will und trotzdem wird sie auch weiterhin nackt herumlaufen und mich mit ihrem Anblick erfreuen. Während du dich abplagst und vorm Einschlafen weiter in die Büsche spritzen musst.”
Aus dem Hintergrund im Paradies kommt die verärgerte Eva angelaufen.
Eva: “He, soll das etwa schon alles gewesen sein? Wieso haust du einfach mittendrin ab?”
ER: “Weib, sei still. Ich bin der Herr und habe meine Termine. Und manchmal muss ich einfach flexibel sein, in meinem Job. Da kann ich halt nicht alles tun, was du verlangst.”
Eva: “Ich hab doch gar nichts verlangt. Du hast mich doch eingeladen. Und dann bist du einfach abgezischt, wie von der Tarantel gestochen.”
Adam: “Ist das Eva? (ruft) EVA? Eva, bist du da?”
ER: “Schlange, kannst du dem Trottel sagen, dass sie ihn nicht hören kann?”
Schlange: “Selbstverständlich, oh Herr. (ruft) Adam! Sie kann dich nicht hören.”
Eva: “Mit wem redest du da, Schlange?”
ER: “Mit niemanden. Hier ist ja auch sonst niemand. Leg dich schlafen, Weib. Ich befehle es dir.”
Adam: “Eva?”
Eva: “Du hast mir gar nichts zu befehlen. (ruft) Adam? Bist du das?”
ER: “Ich bin der Herr, verdammt noch eins. Wenn ich was sage, dann ist das so. Und jetzt ab ins Bett, sonst kommst du auf die stille Wiese!”
Schlange: “Was ist den ‘die stille Wiese’?”
ER: “Hab ich soeben erschaffen. Wer unartig ist muss auf die stille Wiese.”
Schlange: „Versteh’ ich nicht.“
ER: „ Ich werde mich später mit dir und deiner Begriffsstutzerei befassen. Eva! Hörst du nicht, was ich sage?“
Eva: “Du hast sie doch nicht alle. Und was soll das Gequatsche die ganze Zeit: (äfft ihn nach) ohhhh, das hab ich erschaffen, und das da auch, und hier hab ich auch was erschaffen, und den Himmel auch, und zwar nur für dich ,hui, und hier das Wasser und die Sonne, blablabla… und am Ende zieht man ihm die Buxe aus und da ist überhaupt nix. Da hat er wohl was vergessen zu erschaffen.”
ER wirft der kichernden Schlange einen vernichtenden Blick zu. Die Schlange zuckt sofort zusammen
Schlange: “Gar nichts!”
ER: “Du lachst über mich? Dafür sollst du verdammt sein. Ich nehme dir hiermit deine Beine!”
Schlange: “Mein Herr, ich habe keine Beine.”
ER: Mist. Dann überlege ich mir was anderes.”
Adam (ruft): “Eva?”
Eva (ruft): “Adam”?
ER: “Schnauze. Ahh, ich weiß. Du sollst für den Rest deines Lebens von verrückten Australiern gejagt werden, die dich dann ordentlich durchschütteln und in die Kamera halten und wirres Zeug über dich reden, doch du wirst nicht verstehen, was sie sagen.”
Schlange: “Was sind Kameras und Australier?”
ER: “Ruhe jetzt! Eva, für diese Unverschämtheit werde ich erst morgen wieder mit dir ausgehen. Leg dich nun zur Ruh, damit du morgen fit bist.”
Eva: “Ich leg mich hin, wann und wo ich will. Und ehrlich gesagt kannst du mich mal kreuzweise. Ich verlasse das Paradies und suche Adam. Und damit hat sich’s.”
ER: “Du kannst das Paradies nicht verlassen. Es ist dir nicht möglich.”
Eva (äfft ihn ein weiteres Mal nach): “Es ist dir nicht möglich. Ich gehe einfach da her, wo dein fetter Arsch eine Schneise in die Hecke geschlagen hat. Was hältst du davon?”
ER: “Mist. Aber glaub bloß nicht, ich lass dich wieder rein.”
Eva: “Du brauchst mich nicht reinlassen. Ich kenne ja jetzt den Weg.
Eva geht auf das große Loch in der Hecke zu und zwängt sich an IHM und an den Ästen vorbei. Plötzlich erblickt Eva Adam und umgekehrt. Sie fallen sich in die Arme
Adam: “Eva! Mein geliebtes Weib. Da bist du ja. Was hab ich dich vermisst.”
Eva: “Ach Adam. Was bin ich froh dich zu sehen. Du glaubst gar nicht, was der mit mir vor hatte.”
Adam: “Schön das du da bist. Lass uns gehen. Ich zeig dir mein Lager. Ich hab zwar nur ein kleines Bett, aber ich teile es natürlich mit dir. Ich muss auch sofort in die Falle. Morgen früh muss ich wieder aufs Feld. Machst du mir Frühstück? Die Beeren hab ich bereits gesammelt.”
Eva: “Na klar mach ich dir Frühstück. Wann musst du denn aufstehen?”
Adam: “So um vier. Wenn ich dann weg bin, kannst du ja inzwischen aufräumen und die Laken waschen.”
Eva: “Vier? Aufräumen? Laken waschen? Ach du scheiße…

